Vereinte Nationen
Digitales Momentum für die UN-Nachhaltigkeitsagenda im 21. Jahrhundert
Politikpapier

Digitales Momentum für die UN-Nachhaltigkeitsagenda im 21. Jhd.

Digitales Momentum für die UN-Nachhaltigkeitsagenda im 21. Jahrhundert

Bisher hat sich der durch die Digitalisierung erhoffte Beitrag zur Erreichung der Ziele der Agenda 2030 nicht eingestellt. Nur wenn der digitale Wandel und die Transformation zur Nachhaltigkeit konstruktiv verzahnt werden, kann es gelingen, Klima- und Umweltschutz sowie menschliche Entwicklung voranzubringen.


Zusammenfassung

Der WBGU möchte vier Impulse mit direktem Bezug zu den globalen Nachhaltigkeitszielen (SDGs) in die Diskussion einbringen.

Erstens geht es darum mittels einer gestärkten Zukunftsbildung das Welt(umwelt)bewusstsein der Menschen weltweit zu fördern. Im Zentrum sollte das Ziel stehen, Menschen zu befähigen den digitalen Wandel und die Transformation zur Nachhaltigkeit aktiv zu gestalten. Dabei sind offene Daten mit Nachhaltigkeitsbezug oder virtuelle Lernumfelder für das Erleben von Ökosystemen wichtige Elemente. Konkret sollte eine integrierte Programmatik für Zukunftsbildung entwickelt, UN-Prozesse für bürgerwissenschaftliche Projekte geöffnet und eine International Information Union gegründet werden, die nachhaltigkeitsbezogene Daten erfasst, aufbereitet und zugänglich macht.

Zweitens sollte eine digital gestützte Kreislaufwirtschaft etabliert werden: Der Übergang von linearen und ressourcenintensiven Wertschöpfungsketten zu einer möglichst vollständigen Kreislaufwirtschaft ist ein zentraler Baustein der Transformation zur Nachhaltigkeit. Digitale Datenerfassung und -verarbeitung bieten hierfür große Potenziale. Konkret sollten umweltschädliche Emissionen und Ressourcenverbräuche über alle Wirtschaftszweige und Wertschöpfungsketten erfasst sowie verstärkt Anstrengungen zur internationalen Umsetzung der 3-R-Strategie (reduce, reuse, recycle) unternommen werden. 

Drittens kann durch Nutzung digitaler Lösungen die Nachhaltigkeitspolitik selbst modernisiert werden. Digital gestützte Governance kann die Transparenz politischen Handelns sowie die Beteiligung und weltweite Vernetzung politischer Akteure verbessern helfen. Konkret sollte die Koordination im UN-System durch die Einrichtung einer „UN Digitalization Initiative“ intensiviert, eine „UN-Rahmenkonvention für digitale Nachhaltigkeit und nachhaltige Digitalisierung“ ausgehandelt sowie eine global einheitliche Indikatorik für die globalen Entwicklungsziele entwickelt werden, um die Vergleich- und Überprüfbarkeit der Länderberichte zu erleichtern.

Viertens bedarf es vor dem Hintergrund der Chancen und Risiken des digitalen Zeitalters einer Weiterentwicklung der globalen Nachhaltigkeitsagenda über 2030 hinaus. Die UN sollten sich rechtzeitig auf diese zukünftigen Herausforderungen vorbereiten. Dazu empfiehlt der WBGU für das Jahr 2022, also 30 Jahre nach dem Erdgipfel von Rio de Janeiro, ein UN-Gipfel zu „Nachhaltigkeit im Digitalen Zeitalter“ einzuberufen, um erste Weichen zur Fortschreibung der Agenda 2030 zu stellen. Ein zentrales Ergebnis könnte die Verabschiedung einer Charta mit dem Titel „Unsere gemeinsame digitale Zukunft“ sein. 


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