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Übergabe
Gutachten "Zukunftsfähige Bioenergie und nachhaltige Landnutzung"
Bioenergie
elektrisiert nachhaltig
Nachhaltiges Potenzial der Bioenergie entspricht mittelfristig
etwa zehn Prozent des Weltenergiebedarfs
Berlin,
03. Dezember 2008. In seinem neuen Hauptgutachten "Zukunftsfähige
Bioenergie und nachhaltige Landnutzung" kommt der WBGU zu dem Ergebnis,
dass die weltweit vorhandenen nachhaltigen Potenziale zur Gewinnung von
Energie aus Biomasse signifikant sind und genutzt werden sollten. Das
Gutachten ist die erste integrierte Studie zur Bioenergie, die das Thema
in den Kontext der globalen Umwelt- und Entwicklungspolitik stellt. Darin
wird gezeigt, dass mittelfristig etwa 10 % des Weltenergiebedarfs durch
nachhaltige Bioenergie aus biogenen Reststoffen und Energiepflanzen gedeckt
werden könnte. Rund ein Viertel des Potenzials aus Energiepflanzen
liegt in Mittel- und Südamerika, jeweils rund 15% in Afrika südlich
der Sahara, Europa, Nordamerika und China sowie 6% in Indien. Die Ausschöpfung
dieses Potenzials sollte allerdings nur dann vorangetrieben werden, wenn
eine Gefährdung der Ernährungssicherheit sowie von Natur- und
Klimaschutzzielen ausgeschlossen werden kann. Damit dies gelingt, müssen
auf nationaler und internationaler Ebene verpflichtende Nachhaltigkeitsstandards
eingeführt werden.
Strom statt Sprit
Die höchste Klimaschutzwirkung erzielt Bioenergie in der Stromerzeugung.
Dabei kommt es vor allem darauf an, Energieträger mit hohen CO2-Emissionen,
also vor allem Kohle, zu verdrängen. Die Klimaschutzwirkung von Bioenergie
im Strombereich ist etwa doppelt so groß wie beim Verkehr oder bei
der reinen Wärmeerzeugung. Wegen ihres hohen energetischen Wirkungsgrads
ist die Kraft-Wärme-Kopplung grundsätzlich der reinen Stromproduktion
vorzuziehen. Der WBGU empfiehlt, die Stromerzeugung aus Biomasse verstärkt
zu fördern, sich dabei aber auf nachhaltig produzierte Bioenergieträger
zu beschränken. Wird für die Stromerzeugung Biomethan verwendet,
ließe sich die Klimaschutzwirkung noch steigern, falls das bei der
Herstellung anfallende CO2 künftig sicher deponiert werden könnte.
Biokraftstoffe der ersten Generation wie Biodiesel aus Raps oder Bioethanol
aus Mais sind für den Klimaschutz ungeeignet. Werden indirekte Landnutzungsänderungen
berücksichtigt, dann können bei ihrer Nutzung mehr Treibhausgase
freigesetzt werden als bei der Nutzung fossiler Kraftstoffe. Auch Biokraftstoffe
der zweiten Generation, bei denen die ganze oberirdische Pflanze verwendet
wird, schneiden hier nicht besser ab.
Dagegen kann bei der Nutzung mehrjähriger tropischer Pflanzen wie
Zuckerrohr, Ölpalmen oder Jatropha, die auf degradiertem Land angebaut
werden, eine große Klimaschutzwirkung erreicht werden. Allerdings
kann erheblicher Klimaschaden entstehen, wenn für deren Anbau Tropenwald
gerodet wird. Der WBGU plädiert daher für den raschen Ausstieg
aus der Förderung von Biokraftstoffen für den Straßenverkehr
durch Rücknahme der Beimischungsquoten und stattdessen für einen
Ausbau der Elektromobilität.
Reststoffe sind Brennstoffe
Biogene Reststoffe wie Holzabfälle, Gülle oder Stroh sind ideale
Energieträger, weil ihre sachgerechte Nutzung kaum Risiken für
Böden, Wasser oder Klima birgt. Auch stehen sie nicht in Konkurrenz
zur Nahrungsmittelproduktion. Deshalb sollte insbesondere die Verstromung
von Rest- und Abfallstoffen gefördert werden.
Moderne Bioenergie gezielt gegen Energiearmut einsetzen
In rund 50 Entwicklungsländern macht die traditionelle Bioenergienutzung
mit Holz, Dung oder Ernteabfällen zum Kochen und Heizen noch über
90% der Energieversorgung aus. Infolge der dabei entstehenden Rauchentwicklung
in geschlossenen Räumen sterben pro Jahr mehr als 1,5 Mio. Menschen.
In der Verbreitung verbesserter Holz- und Holzkohleherde oder Kleinbiogasanlagen
sowie der Herstellung von Pflanzenölen aus Ölpflanzen wie Jatropha
liegt ein großer, noch nicht ausreichend genutzter Hebel der Armutsbekämpfung.
Diese Techniken sollten gefördert werden, da sie die Lebensqualität
vieler hundert Millionen Menschen innerhalb kürzester Zeit und zu
geringen Kosten deutlich verbessern helfen. Die Chancen zur ländlichen
Entwicklung, die sich durch Anbau von Energiepflanzen bieten, sollten
genutzt werden. Als erster Schritt sollten aber gemeinsam mit den Partnerländern
integrierte Strategien zur Nutzung von Bioenergie und Ernährungssicherung
entwickelt werden.
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Übergabe
des Hauptgutachtens "Zukunftsfähige Bioenergie und nachhaltige Landnutzung"
in der
Bundespressekonferenz
vlnr:
Prof. Dr. D. Messner (Mitglied WBGU), Prof. Dr. J. Schmid (Mitglied WBGU), Staatssekretärin K. Kortmann (BMZ), Dr. R. Grießhammer (Mitglied WBGU), Prof. Dr. N. Buchmann (Mitglied WBGU), Bundesminister S. Gabriel (BMU), Prof. Dr. R. Schubert (Vorsitzende WBGU), Bundesministerin Dr. A. Schavan (BMBF), Prof. Dr. H. J. Schellnhuber (stv. Vorsitzender WBGU).
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Sie Ihre Rückfragen an:
Geschäftsstelle
WBGU
Reichpietschufer 60-62, 8. OG
10785 Berlin
Tel. 030 263948
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Fax 030 263948 50
Email: wbgu@wbgu.de
Diese Presseerklärung
und alle Gutachten können im Volltext aus dem Internet bezogen werden (http://www.wbgu.de/).
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