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Welt
im Wandel
Herausforderung
für die deutsche Wissenschaft
Zusammenfassung
für Entscheidungsträger
Wissenschaftlicher
Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen
Bremerhaven, 1996
Die
Zusammenfassung
für
Entscheidungsträger
kann bei der Geschäftsstelle
des WBGU bestellt oder hier eingesehen und heruntergeladen werden.
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INHALT
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Impressum
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ZUSAMMENFASSUNG
FÜR ENTSCHEIDUNGSTRÄGER
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Einleitung
Erstmals in der Geschichte wirkt sich menschliches Handeln auf die Erde
als Ganzes aus. Die daraus resultierenden globalen Umweltveränderungen
bestimmen das Verhältnis der Menschheit zu ihren natürlichen
Lebensgrundlagen völlig neu. Dieser in seiner Geschwindigkeit einzigartige,
vielfach bedrohliche Transformationsprozeß, der als Globaler
Wandel bezeichnet wird, kann nur verstanden werden, wenn die Erde
als ein System begriffen wird. Auch für die Wissenschaft
ist dies eine große Herausforderung: Sie muß erklären,
wie sich das System Erde durch anthropogene Eingriffe verändert,
wie umgekehrt diese Prozesse durch die natürliche Veränderung
des Erdsystems beeinflußt werden und schließlich, ob und
und in welchem Maße Steuerungsmöglichkeiten des Globalen
Wandels bestehen.
Die Reichweite menschlichen Handelns läßt
sich am Beispiel des anthropogenen Klimawandels illustrieren. So tragen
die Kohlendioxidemissionen des deutschen Straßenverkehrs dazu
bei, daß die Bewohner von 20.000 km entfernten Koralleninseln
durch den Anstieg des Meeresspiegels ihrer Heimat beraubt werden. Damit
steht die Menschheit nicht nur vor einem ethischen Dilemma, sondern
auch vor einem schwierigen, möglichst schnell und kompetent zu
beantwortenden wissenschaftlichen Fragenkomplex. Die hier nur beispielhaft
angesprochenen Probleme können letztlich nur von interdisziplinären
und internationalen Forschungsverbünden gelöst
werden, in denen beispielsweise neben Klimamodellierung und Hydrographie
Disziplinen wie Rechtsphilosophie und Kulturanthropologie Gewicht besitzen
müssen.
Forschung zum Globalen Wandel, im vorliegenden
Gutachten als GW-Forschung bezeichnet, stellt somit hohe Ansprüche
an Integrationsfähigkeit, Flexibilität und Vorstellungskraft
von Wissenschaftlern, Förderinstitutionen und Nutzern. Innovative
Leitlinien und Strukturen sind erforderlich, um den jeweiligen Problemkomplex
forschungsgerecht zu gliedern und Lösungskompetenz zu erarbeiten.
Die "klassische" Umweltforschung wird diesen Ansprüchen
bisher nicht gerecht.
Der Beirat hat in seinen Jahresgutachten
1993, 1994 und 1995 die Kernprobleme des Globalen Wandels identifiziert
und beschrieben: einerseits die Veränderungen in der belebten und
unbelebten Umwelt des Menschen und anderereits die gesellschaftlichen
Veränderungen selbst. Das Jahresgutachten 1996 konzentriert sich
auf die Frage nach einer entsprechenden Gestaltung der GW-Forschung
und untersucht die Erfolgsbedingungen für eine Stärkung der
deutschen Beiträge.
Vielfach ist der Verdacht geäußert
worden, der Ruf nach immer neuer Forschung diene dazu, von der Notwendigkeit
umweltpolitischen Handels abzulenken. Problemlösungsorientierte
Forschung kann jedoch dazu beitragen, die Entscheidungskompetenz
im Vorfeld politischen Handelns zu verbessern und ist somit handlungsrelevant.
Der Fokus des vorliegenden Jahresgutachtens
geht über die "klassische" naturwissenschaftliche Umweltforschung
hinaus und bezieht so die ökonomischen und soziokulturellen Aspekte
des Globalen Wandels mit ein. Die methodische Grundlage hat der Beirat
in seinen letzten Jahresgutachten durch die Entwicklung eines integrativen
Forschungsansatzes, des Syndromansatzes, geschaffen (WBGU, 1993
und 1994). Dieser ermöglicht eine Operationalisierung des für
den Globalen Wandel erforderlichen vernetzten Denkens. Darüber
hinaus können so neue Wege zur Gestaltung der GW-Forschung aufgezeigt
werden.
In Zeiten knapper öffentlicher Mittel
bedarf es klarer Prioritäten und größtmöglicher
Effizienz bei der Auswahl und Durchführung von Forschungsvorhaben.
Hierfür hat der Beirat Relevanzkriterien und Integrationsprinzipien
für die GW-Forschung erarbeitet, die z.B. auch bei der Gestaltung
der Neuauflage des deutschen Umweltforschungsprogramms Anwendung finden
können. Der Beirat begrüßt die ressortübergreifende
Initiative von BMBF und BMU zum neuen Umweltforschungsprogramm, nachdem
bereits mehrere spezielle Programme und Förderschwerpunkte der
Bundesregierung zur Klima-, Meeres-, Polar- und Ozonforschung im Bereich
der GW-Forschung vorliegen.
In seinem Gutachten entwickelt der Beirat
Leitlinien für eine notwendige Umstrukturierung und Neuausrichtung
in ausgewählten Bereichen, trägt aber auch den gewachsenen
Strukturen der deutschen Forschung zum Globalen Wandel Rechnung. Folglich
werden zum einen die Ansätze für eine integrierte Forschung
beschrieben und an einem Fallbeispiel erläutert, zum anderen aber
die klassischen Sektoren der GW-Forschung dargestellt, die deutsche
Einbindung in internationale Forschungsprogramme bewertet und sektorale
Forschungslücken benannt.
Integrierte
Forschung zum Globalen Wandel
Systemarer
Ansatz
Der Globale
Wandel ist dadurch geprägt, daß die Menschheit heute ein
aktiver Systemfaktor von planetarischer Bedeutung ist: Zivilisatorische
Eingriffe wie der Abbau von Rohstoffen, die Umlenkung von Stoff- und
Energieflüssen, die Veränderung großräumiger natürlicher
Strukturen und die kritische Belastung von Schutzgütern verändern
das System Erde zunehmend in seinem Charakter. Die Komplexität
dieser Prozesse stellt eine große Herausforderung für die
Wissenschaft dar. Damit verbunden sind neue Forschungsfragen, deren
Beantwortung in den kommenden Jahren an Bedeutung zunehmen wird:
- Wie
kommt es zu den Naturveränderungen und wie sind sie mit der globalen
Entwicklungsproblematik verknüpft?
- Wie
kann man sie frühzeitig erkennen oder vorhersagen?
- Welche
Risiken sind mit ihnen verbunden?
- Wie
muß der Mensch handeln, um negative Entwicklungen auf globaler
Ebene zu verhindern, um drohenden Gefahren zu begegnen bzw, um die
Folgen globaler Veränderungen zu minimieren?
Diese Forschungsaktivitäten sollten sich am Leitbild der nachhaltigen
Entwicklung orientieren. Das entscheidende und inzwischen allgemein
anerkannte Element dieses Konzepts ist der untrennbare Zusammenhang
zwischen Umwelt und Entwicklung (AGENDA 21). Darin spiegelt sich die
Einsicht wider, daß der Mensch und seine Umwelt ein eng miteinander
verflochtenes System bilden. Forschung zum Globalen Wandel ist daher
mit zwei prinzipiellen Problemen konfrontiert: Zum einen erzwingt die
Untersuchung des Systems Erde einen integrativen Ansatz, denn die Interaktionen
reichen über die Grenzen von Disziplinen, Sektoren und Umweltmedien
hinweg. Das zweite grundlegende Problem ist die hohe Komplexität
der dynamischen Zusammenhänge, die eine übersichtliche Darstellung,
Analyse und Modellierung sehr erschwert. Nur eine entsprechend vernetzte
und interdisziplinäre Betrachtungsweise kann diesen beiden Problemen
gerecht werden. Daher ist die bislang vorwiegend sektoral geprägte
Forschung durch einen systemaren Ansatz zu ergänzen, der
verschiedene disziplinäre Forschungsstränge miteinander verknüpft.
Der Beirat hat eine neue Methode für
eine Ganzheitsbetrachtung der gegenwärtigen Krise im System Erde
vorgeschlagen (WBGU, 1993 und 1994). Als Elemente dieser Beschreibung
werden nicht, wie sonst üblich, einfach zu indizierende Basisvariablen,
wie z.B. CO2-Konzentration in der Atmosphäre, Bevölkerungszahlen
oder Bruttosozialprodukt gewählt. Stattdessen werden die wichtigsten
Entwicklungen des Globalen Wandels als qualitative Elemente verwendet.
Diese werden als Trends des Globalen Wandels bezeichnet und geben
Auskunft über die dominierenden Merkmale der globalen Entwicklung.
Die Trends bilden die Grundlage zur Beschreibung der Entwicklung des
Systems Erde. Sie bezeichnen hochkomplexe natürliche oder anthropogene
Prozesse, ohne jedoch die internen Vorgänge im Detail aufzulösen.
Auf der Basis von Expertenwissen werden
jene Trends ausgewählt, die für den Globalen Wandel besonders
relevant sind. Die Trends werden zunächst nicht bewertet, d.h.
problematische Vorgänge wie Klimawandel, Schwund von Artenvielfalt
oder Bodenerosion stehen neben Trends wie Globalisierung der Märkte
oder Fortschritt in der Bio- und Gentechnologie, die je nach Blickwinkel
und konkreter Ausprägung negative oder positive Wirkungen haben
können. Hinzu kommen Entwicklungen, von denen man sich eine Linderung
der globalen Probleme erhofft, wie z.B. Verstärkung des nationalen
Umweltschutzes, wachsendes Umweltbewußtsein oder Zunahme internationaler
Abkommen.
Die Trends und ihre Interaktionen lassen
sich zu einem qualitativen Netzwerk verweben, dem Globalen Beziehungsgeflecht,
das den Globalen Wandel als System hinreichend beschreibt und einen
Ausgangspunkt für weitergehende Analysen der Erdsystemdynamik darstellt.
Auf der Grundlage dieser empirisch-phänomenologischen Beschreibung
des Globalen Wandels läßt sich auch eine qualitative Modellierung
aufbauen, die bereits Gegenstand eines Forschungsprojekts des BMBF ist.
Syndromkonzept
Beziehungsgeflechte
lassen sich nicht nur für die globale Ebene entwickeln. Eine regionalisierte
Betrachtung des Erdsystems mit diesem Instrument macht deutlich, daß
die Interaktionen zwischen Zivilisation und Umwelt in bestimmten Regionen
häufig nach typischen Mustern ablaufen. Diese funktionalen Muster
(Syndrome) sind unerwünschte charakteristische Konstellationen
von natürlichen und zivilisatorischen Trends und ihrer Wechselwirkungen,
die sich geographisch explizit in vielen Regionen dieser Welt identifizieren
lassen. Die Grundthese des Beirats ist, daß sich die komplexe
globale Umwelt- und Entwicklungsproblematik auf eine überschaubare
Anzahl von Umweltdegradationsmustern zurückführen läßt.
Die Syndrome zeichnen sich durch einen
transsektoralen Charakter aus, d.h. die Problemlagen greifen über
einzelne Sektoren (etwa Wirtschaft, Biosphäre, Bevölkerung)
hinaus, haben aber immer einen direkten oder indirekten Bezug zu Naturressourcen.
Global relevant sind Syndrome dann, wenn sie den Charakter des Systems
Erde modifizieren und damit direkt oder indirekt die Lebensgrundlagen
für einen Großteil der Menschheit spürbar beeinflußen,
oder wenn für die Bewältigung der Probleme ein globaler Lösungsansatz
erforderlich ist. Im vorliegenden Gutachten wird der Versuch unternommen,
die global bedeutsamen Krankheitsbilder der Erde zu identifizieren (Kasten
"Syndrome").
KASTEN:
Übersicht über die Syndrome des Globalen Wandels
Syndromgruppe "Nutzung"
1. Landwirtschaftliche Übernutzung marginaler Standorte:
Sahel-Syndrom
2. Raubbau an natürlichen Ökosystemen: Raubbau-Syndrom
3. Umweltdegradation durch Preisgabe traditioneller Landnutzungsformen:
Landflucht-Syndrom
4. Nicht-nachhaltige industrielle Bewirtschaftung von Böden
und Gewässern: Dust-Bowl-Syndrom
5. Umweltdegradation durch Abbau nicht-erneuerbarer Ressourcen:
Katanga-Syndrom
6. Erschließung und Schädigung von Naturräumen
für Erholungszwecke: Massentourismus-Syndrom
7. Umweltzerstörung durch militärische Nutzung: Verbrannte-Erde-Syndrom
Syndromgruppe "Entwicklung"
8. Umweltschädigung durch zielgerichtete Naturraumgestaltung
im Rahmen von Großprojekten: Aralsee-Syndrom
9. Umweltdegradation durch Verbreitung standortfremder landwirtschaftlicher
Produktionsverfahren: Grüne-Revolution-Syndrom
10. Vernachlässigung ökologischer Standards im Zuge
hochdynamischen Wirtschaftswachstums: Kleine-Tiger-Syndrom
11. Umweltdegradation durch ungeregelte Urbanisierung: Favela-Syndrom
12. Landschaftsschädigung durch geplante Expansion von Stadt-
und Infrastrukturen: Suburbia-Syndrom
13. Singuläre anthropogene Umweltkatastrophen mit längerfristigen
Auswirkungen: Havarie-Syndrom
Syndromgruppe "Senken"
14. Umweltdegradation durch weiträumige diffuse Verteilung
von meist langlebigen Wirkstoffen: Hoher-Schornstein-Syndrom
15. Umweltverbrauch durch geregelte und ungeregelte Deponierung
zivilisatorischer Abfälle: Müllkippen-Syndrom
16. Lokale Kontamination von Umweltschutzgütern an vorwiegend
industriellen Produktionsstandorten: Altlasten-Syndrom
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Für die Forschung zum Globalen Wandel kann das Syndromkonzept eine
neue Grundlage bieten. Gegenwärtig ist diese Forschung noch stark
durch die Aufteilung ihrer Erkenntnisobjekte nach Sektoren geprägt.
Mit Blick auf die Desiderate für die GW-Forschung - Interdisziplinarität,
Internationalität und Problemlösungskompetenz
- liegt es nahe, künftige Umweltforschung transdisziplinär zu
strukturieren. Das Syndromkonzept des WBGU zeigt hier eine neue, konkrete
Gestaltungsmöglichkeit auf. Deshalb wird vorgeschlagen, für
die Gestaltung der Forschung zum Globalen Wandel künftig die Syndrome
als zentrale Untersuchungsgegenstände heranzuziehen.
Relevanzkriterien
Die existentielle
Bedeutung des Globalen Wandels für die künftige Entwicklung
der Menschheit, sowie die Einmaligkeit, Komplexität, Vielfalt und
Dynamik der damit verbundenen Phänomene, machen zusätzliche
forschungspolitische Relevanzkriterien erforderlich. Mit Hilfe solcher
Maßstäbe kann sowohl die Forschungstätigkeit am Querschnittscharakter
der Umweltthematik orientiert als auch eine rationale Prioritätensetzung
in Zeiten knapper Mittel erzielt werden. Der Beirat schlägt vor,
in Deutschland bei der Auswahl von Forschungsthemen zum Globalen Wandel
künftig insbesondere die folgenden Kriterien heranzuziehen.
- Globale
Relevanz: Werden Leitparameter, Grundmuster oder Kernprobleme
im System Erde untersucht? Ist eine große Zahl von Menschen
von dem Problem betroffen? Läßt die Forschung neue Optionen
zur Steuerung des Umwelt- und Entwicklungsprozesses erwarten?
- Dringlichkeit:
Ist eine rasche Beantwortung der Fragestellung erforderlich, um irreversible
ökologische oder sozioökonomische Fehlentwicklungen zu vermeiden?
- Wissensdefizit:
Können gravierende Lücken in der angestrebten Ganzheitsbetrachtung
der globalen Umwelt und ihrer Dynamik geschlossen werden?
- Verantwortung:
Werden Probleme erforscht, an deren Entstehen Deutschland unmittelbar
(z.B. durch Treibhausgasemissionen) oder mittelbar (z.B. als Teilnehmer
am Weltmarkt) beteiligt ist? Berührt die Thematik allgemeine
ethische Grundsätze (z.B. Bewahrung der Schöpfung)?
- Betroffenheit:
Werden Probleme erforscht, die eine unmittelbare (z.B. Klimafolgen)
oder mittelbare Wirkung (z.B. Umweltflüchtlinge) auf Deutschland
haben könnten?
- Forschungs-
und Lösungskompetenz: Handelt es sich um Themen, bei denen
Deutschland aufgrund seiner wissenschaftlichen, technologischen und
infrastrukturellen Potentiale wichtige Beiträge leisten kann?
Kann die Bearbeitung der Fragestellung zur weiteren Verbesserung dieses
Potentiales und damit zur Stärkung des "Standorts Deutschland"
führen?
Da es weder möglich noch sinnvoll ist, daß sich die deutsche
Forschung zum Globalen Wandel gleichzeitig mit allen Syndromen befaßt,
sollten mit Hilfe dieser Kriterien Prioritäten gesetzt werden.
Zudem wäre bei der Bearbeitung der Syndrome eine internationale
Arbeitsteilung anzustreben. Eine anhand der Relevanzkriterien durchgeführte
WBGU-interne Umfrage hat eine erste Reihung der Syndrome erbracht. Hierbei
fallen sieben Problemkomplexe in die oberste Prioritätsklasse (alphabetische
Reihung):
Konkret wird empfohlen,
- das
Syndrom-Konzept im Rahmen einer Veranstaltungsreihe mit Wissenschaftlern
und Entscheidungsträgern aus verschiedenen gesellschaftlichen
Sektoren zu diskutieren und zu verbessern. Dabei kann insbesondere
die jetzige Syndrom-Liste noch modifiziert werden;
- eine
Rangordnung der Syndrome mit Hilfe einer methodisch vorbereiteten
Delphi-Studie vorzunehmen;
- bereits
jetzt drei Forschungsnetzwerke aus schon bestehenden Einrichtungen
für die exemplarische Untersuchung der Syndrome Hoher-Schornstein,
Sahel und Suburbia einzurichten. Diese integrierten
Studien könnten die Funktion von Leitprojekten im Sinne des derzeit
entstehenden, neuen Umweltforschungsprogramms der Bundesregierung
erfüllen.
Problemlösungsprozeß
Forschung
zu umweltpolitischen Entscheidungsprozessen bezog sich bisher hauptsächlich
auf Probleme nationaler Umweltpolitik. Zwar sind Erkenntnisse hieraus
auch für den umweltpolitischen Entscheidungsprozeß im internationalen
und globalen Rahmen von Bedeutung, jedoch ist die Sachlage deutlich
komplexer. Globale Probleme sind oft langfristiger Art, was größere
Schwierigkeiten für Diagnose und Prognose mit sich bringt. Dadurch
ergeben sich besondere Anforderungen an Frühwarnsysteme und Planungsinstrumente,
aber auch an Forschungsmethoden und -instrumente. Globale Probleme sind
zudem deutlich komplexer als nationale Umweltprobleme, was sich auch
auf den Prozeß der politischen Konsensfindung und auf die Wahl
der Instrumente auswirkt. Nicht zuletzt sind auch die Zielkonflikte
international in aller Regel schwerer zu lösen als national, bedingt
durch Unterschiede in Kultur, Religion, vor allem aber des Entwicklungsstandes.
Forschungsmethoden und -ansätze zur
nationalen Umweltpolitik sind daher so anzupassen, daß sie auch
auf die Elemente des Entscheidungsprozesses zu globalen Umweltveränderungen
angewendet werden können. Dazu wird hier nicht auf einzelne Disziplinen
abgestellt. Es geht vielmehr darum, die Elemente des Problemlösungsprozesses
zu strukturieren und dann zu fragen, welche Disziplinen hierzu schon
beigetragen haben bzw. im Rahmen einer interdisziplinären Forschung
verstärkt beitragen sollten.
Folglich ist zunächst zu prüfen,
welche Ergebnisse bereits vorliegen und welche Ergänzungen erforderlich
sind. Folgende Elemente eines Problemlösungsprozesses lassen sich
unterscheiden:
- Problemaufbereitung.
Der Problemlösungsprozeß zum Globalen Wandel beginnt mit
der Problemanalyse, d.h. der Identifizierung von Ursachen und Wirkungen
sowie der Abschätzung zukünftiger Entwicklungen (Prognose).
Angesichts der Komplexität der hier zu erforschenden Sachverhalte
und der dafür notwendigen integrierten Forschungsansätze
bedarf es daher für die Problembeschreibung und -erklärung
sowie für die Prognose einer entsprechenden Methodik, wie z.B.
der Systemforschung.
- Leitbilder
und Ziele. Im Anschluß an die Problemanalyse sind Leitbilder
und Ziele zu definieren. Ein besonderes Defizit sieht der Beirat in
der Leitbildforschung, die auf das Konzept der nachhaltigen
Entwicklung auszurichten und mittels entsprechender Handlungsmaximen
und Indikatoren zu konkretisieren ist.
- Träger.
Eine Politik zur Beeinflussung globaler Umweltveränderungen bedarf
entsprechender Träger auf verschiedenen Ebenen (global, regional,
national, lokal). Da auf der zwischenstaatlichen Ebene souveräne
Staaten agieren, bedürfen vor allem die dort ablaufenden Entscheidungs-
und Handlungsmechanismen besonderer Aufmerksamkeit. Die Problematik
der Trägerkonstellation und eines effektiven Zusammenwirkens
der Träger ist daher genauer zu untersuchen. Hierfür
sind geeignete Methoden auszuwählen bzw. weiterzuentwickeln,
so z.B. die Spieltheorie.
- Instrumente.
Die Durchsetzung der Ziele erfolgt mittels der im Rahmen globaler
Umweltpolitik zur Verfügung stehenden bzw. zu entwickelnden Instrumente.
Diese sind hinsichtlich ihrer Durchsetzbarkeit und Wirksamkeit zu
untersuchen und fortzuentwickeln. Insbesondere ist dabei Forschung
zu übergreifenden Instrumenten, etwa den Konventionen erforderlich,
aber auch zu den in ihrem Rahmen wirksamen Teilinstrumenten.
- Implementierung.
Im Anschluß an die Vereinbarung internationaler Abkommen stellt
sich die Frage nach deren Umsetzung und Durchführung (Implementierung)
sowie nach Möglichkeiten der Sanktionierung. Die dabei
auftretenden Hindernisse sind angesichts der Tatsache, daß Problemlösungsprozesse
gerade in diesem Stadium oft stagnieren, genauer zu analysieren.
- Entscheidungs-
und Risikoforschung. Übergreifend zur Begleitforschung hinsichtlich
der genannten Elemente des Entscheidungsprozesses, vor allem aber
zur Trägerproblematik und zur Wirksamkeit der Instrumente, sind
Entscheidungs- und Risikoforschung voranzutreiben, da sie zwei
spezifische Merkmale des Problemlösungsprozesses zum Globalen
Wandel untersuchen: das Problem der Konsensfindung bei teilweise fundamentalen
Interessensgegensätzen sowie den Umgang mit unsicherem Wissen.
Sektorale
Forschung zum Globalen Wandel
In diesem Kapitel beschreibt das Gutachten den gegenwärtigen Stand
der deutschen sektoralen Forschung zum Globalen Wandel, einschließlich
der internationalen Einbindung, und benennt Forschungslücken.
Klima-
und Atmosphärenforschung
Der hohe
Stand der deutschen Forschung auf diesem Gebiet muß durch kontinuierliche
Weiterentwicklung der vorhandenen Infrastruktur erhalten werden. So
ist z.B. die deutsche Klimaforschung in den auf die Erstellung von gekoppelten
Ozean-Eis-Atmosphäre-Modellen ausgerichteten Sektoren dank der
kontinuierlichen Förderung durch den BMBF, die Max-Planck-Gesellschaft
sowie durch die DFG international führend. Diese Stellung kann
nur durch eine gute Personalpolitik, die fortlaufende Modernisierung
der Rechnerkapazitäten und ständige Modellpflege erhalten
werden. Aufgabenfelder mit hoher GW-Relevanz sind:
-
Weiterentwicklung
von gekoppelten Ozean-Eis-Atmosphäre-Modellen zur Klimavorhersage
in verschiedenen Raum-Zeitskalen sowie von integrierten Modellen
der Klimawirkungsforschung.
-
Erforschung
des Paläoklimas mit Hilfe von Eisbohrkernen sowie von
marinen und limnischen Sedimenten. Hier fehlen insbesondere Daten
aus den Tropen und von der Südhemisphere.
-
Weiterführung
bzw. Aufbau von Messungen der Zusammensetzung der Atmosphäre
(verschiedene Leitsubstanzen) an ausgewählten Stationen
in Deutschland und Nordeuropa (Stratosphärenbeobachtung) sowie
auf See und in den Tropen (Troposphäre) im Rahmen internationaler
Programme.
-
Systematische
Analyse bereits vorhandener Daten aus verschiedenen atmosphärischen
Bereichen zum besseren Verständnis der Variabilität
des Klimas.
-
Entwicklung
und Auswertung von Satellitenexperimenten zur Messung von
klimarelevanten Parametern und Spurengasen.
-
Untersuchung
des Einflusses von Aerosolen und Wolken auf das Klima.
-
Experimentelle
Untersuchungen der Troposphärenchemie (Flugzeugeinsatz)
in niederen Breiten.
Klima- und Atmosphärenforschung im engeren Sinne wird primär
von den Naturwissenschaften getragen. Die Forschung zu den Wirkungen
des Globalen Wandels (insbesondere Klimawirkungsforschung) muß
dagegen weit über die Naturwissenschaften hinausgehen. Erforderlich
ist die
-
verstärkte
Entwicklung von Integrierten Regionalmodellen,
-
Organisation
von fach- und institutionenübergreifenden Forschungsnetzwerken
zur Untersuchung sektoraler und politikrelevanter Fragestellungen.
Hydrosphärenforschung
Ähnlich
wie in der Klimaforschung muß der hohe Stand der deutschen Forschung
auf diesem Gebiet durch kontinuierliche Weiterentwicklung der vorhandenen
Infrastruktur erhalten werden. Wichtig ist die feste Einbindung in die
IGBP-Kernprojekte JGOFS, GLOBEC und LOICZ. Aufgabenfelder mit hoher
GW-Relevanz sind:
-
Entwicklung
der wissenschaftlichen Grundlagen eines operationellen Ozeanbeobachtungsnetzes
(GOOS).
-
Erforschung
der menschlichen Einflüsse auf Randmeere und Küstengebiete
sowie die Entwicklung der wissenschaftlichen Grundlagen für
ein integriertes Management von Küstenregionen.
-
Erforschung
der Polarmeere unter klimatologischen Gesichtspunkten.
Zu den globalen Aspekten des Wasserhaushalts besteht hoher Forschungsbedarf
hinsichtlich der ökologischen Wirkungsgeflechte von Klima, Vegetation
und Anthroposphäre und - darauf aufbauend - der Entwicklung einer
dauerhaft umweltgerechten, die Wasserressourcen langfristig sichernden
Landnutzung im Sinne der IGBP-Kernprojekte LUCC und BAHC. Süßwasser
ist vital für alle Bereiche des Lebens und der Gesellschaft. Es
ist Nahrungsmittel, Kulturgut und Produktionsfaktor zugleich. Der WBGU
mißt dem Ausbau der Forschung über Süßwasser große
Bedeutung zu. Aufgabenfelder mit hoher GW-Relevanz sind:
-
Erforschung
der Bedingungen der Ausweitung des Wasserdargebots für
eine wachsende Weltbevölkerung.
-
Erforschung
der Bedingungen der sparsamen und nachhaltigen Wassernutzung,
im Sinne des sorgfältigen Umgangs mit Wasser in den verschiedenen
Verwendungsbereichen (Landwirtschaft, Industrie, Haushalte) und
der gerechten Zuteilung des verfügbaren Wassers (intra- und
intergenerationelle Gerechtigkeit).
-
Erforschung
der Bedingungen einer Prävention von Verschmutzung bei Oberflächengewässern
und den Grundwasservorräten.
Dabei geht es letztlich um die Entwicklung von Modellen über die
Dynamik des regionalen und globalen Wasserhaushalts mit seinen Rückkopplungen
zum Klimasystem, zur Biosphäre und zur Anthroposphäre.
Bodenforschung
Die Bodenforschung
ist zwar primär lokal und regional orientiert, sie muß aber
die globalen Veränderungen im Klima, Wasserhaushalt und in der
Beanspruchung der Böden durch den Menschen einbeziehen. Besonders
wichtig in diesem Zusammenhang sind die folgenden Arbeitsgebiete:
-
Quantifizierung
der Funktionen von Böden als Speichergröße
in den biogeochemischen Kreisläufen des Kohlenstoffs, Stickstoffs
und des Schwefels sowie der mit diesen Elementen verbundenen, klimarelevanten
Spurengase. Abschätzung der möglichen Beeinflussung der
Umsetzungsprozesse durch den Klima- und Nutzungswandel.
-
Degradation
von Böden infolge nutzungsbedingter Entkoppelungen von Stoffkreisläufen.
Bedeutung für die Produktivität und nachhaltige Nutzbarkeit
von Böden sowie die Stabilität der Empfängersysteme.
Untersuchungen auf lokaler, regionaler und globaler Ebene.
-
Wirkungen
partikulärer und gelöster bodenbündiger Stoffe (Abtrag,
Auswaschung) auf die biotischen Komponenten limnischer und mariner
Nachbarökosysteme (Schwerpunkt Flüsse, Riffe und Mangroven).
-
Intensivierung
des Einsatzes der Fernerkundung für die Erdbeobachtung
und der Computersimulation zur Beschreibung der Veränderungsdynamik
terrestrischer Ökosysteme auf regionaler und globaler Ebene.
Biodiversitätsforschung
Unter
dem Gesichtspunkt des Globalen Wandels steht die Bedeutung der Biodiversität
für die Funktionen, die Stabilität und Entwicklung von Ökosystemen
im Zentrum der Empfehlungen. Bislang ist die deutsche Biodiversitätsforschung
noch zu wenig interdisziplinär und international orientiert. Auch
die weite Begriffsfassung und die damit verbundene übergreifende
Zusammenarbeit der Biowissenschaften mit den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
hat sich noch nicht genügend durchgesetzt. Im einzelnen empfiehlt
der Beirat eine Schwerpunktsetzung auf folgenden Gebieten:
-
Grundlage
für die Abschätzung, Erhaltung oder Wiederherstellung
der Biodiversität ist eine moderne Taxonomie, die auch
die molekularbiologischen Methoden unter Verwendung fortgeschrittener
Datenverarbeitungsmethoden intensiver nutzt. Dieser Bereich bedarf
eines dringenden Ausbaus in Forschung und Lehre, da nur so eine
Einbindung deutscher Forscher in internationale Projekte zur Inventarisierung
von Arten und zur biogeographischen Erhebung von Biodiversität
möglich wird.
-
Ein
weiterer Schwerpunkt sollte auf den Fragen nach der Vereinbarkeit
von Schutz und Nutzung terrestrischer und aquatischer Ökosysteme
liegen. Insbesondere die Zusammenhänge zwischen Diversität,
Stabilität und Leistung von Ökosystemen müssen verstärkt
angegangen werden. Eine wichtige Rolle spielt hierbei der Aufbau
einer naturschutzorientierten populationsbiologischen Forschung.
Dabei muß weit über die bisher verfolgten Ansätze
des Biotop- und Artenschutzes hinausgegangen werden.
-
Auf
Erkenntnissen aufbauend, die aus den vorgenannten Themenbereichen
gewonnen werden, muß die Forschung zu den Auswirkungen
von Umweltveränderungen unterschiedlicher Qualität,
Intensität und Dynamik auf Populationen, Ökosysteme und
ökosystemare Leistungen (wie z.B. biogeochemischer Stoffkreisläufe)
hohe Priorität haben.
-
Ein
weiteres wichtiges Forschungsgebiet sind die Fragen, die im Zusammenhang
mit den internationalen politischen Bemühungen um den
Schutz und die nachhaltige Nutzung von Biodiversität gestellt
werden. Biodiversitätsökonomie und politikwissenschaftliche
Forschung zur Ausgestaltung von Konventionen sind besonders dringlich.
Bevölkerungs-, Migrations- und Urbanisierungsforschung
Fragen
der Bevölkerungsentwicklung, Migration und Urbanisierung sind für
die Analyse und Bewältigung globaler Umweltprobleme von zentraler
Bedeutung. Bevölkerungswachstum und Armut zählen zu den wichtigsten
Triebkräften dieser Entwicklung, die für die Industrieländer
in erster Linie durch einen stark zunehmenden Wanderungsdruck spürbar
wird. Forschung zur Analyse, Prognose und Bewältigung dieses Problemkomplexes
ist in Deutschland nur unzureichend entwickelt, sowohl hinsichtlich
der theoretischen Grundlagen als auch empirischer Fallstudien und Modellsimulationen:
-
Die
Stadt-Umland Beziehungen müssen unter Beachtung der
Transferleistungen zwischen städtischer Außenorientierung
und ländlicher Subsistenzwirtschaft neu untersucht und bewertet
werden (Umkehrung des Push-Pull-Ansatzes).
-
Bei
der Forschung zur internationalen Migration wird die Identifikation
potentieller Quell- und Zielgebiete und der Austauschbeziehungen
immer wichtiger. Insbesondere müssen die wanderungsrelevanten
Motivstrukturen systematisch erfaßt werden.
-
Determinanten
individueller Wanderungsentscheidungen müssen im Rahmen
ihrer soziokulturellen Einbettung und im Haushaltskontext ermittelt
werden. Die herkömmliche Flowanalyse ist durch eine Migrationssystemforschung
zu ergänzen.
-
Fehl-,
Unterernährung und Hunger zählen zu den wesentlichen
Ursachen von Migration. Forschungen zu Ernährungssicherung
und Wasserverfügbarkeit müssen daher weiter ausgebaut
werden.
-
Der
informelle Sektor spielt zur Aufrechterhaltung eines Minimums
an sozialer Sicherheit eine zentrale Rolle für die städtischen
Armen. Seine Entwicklungspotentiale müssen daher intensiv erforscht
werden.
-
Unsere
Kenntnis über neu entstehende Großagglomerationen
und Megastädte und ihre Einbindung in das globale System
ist noch unvollständig. Auch die informell gebaute Stadt ist
noch wenig erforscht. Um das Funktionieren der "ungeplanten"
Megastädte zu verstehen, muß der Systemzusammenhang dieser
urbanen Strukturen untersucht werden.
-
Die
Vorbereitungen zur zweiten Weltsiedlungskonferenz (HABITAT
II) machen deutlich, daß die Schaffung "angemessenen"
Wohnraumes ein zentrales Element für das Wohlergehen von mehr
als einer Milliarde Menschen darstellt. Problemlösungsorientierte
Forschung sollte zusätzlich auch im Kontext internationaler
Konferenzen entsprechend durchgeführt werden (Vor- und
Nachbereitung).
Ökonomische Forschung
Der Beirat
sieht für den Bereich der global relevanten ökonomischen Forschung
Bedarf vor allem zu den folgenden drei Themenkomplexen:
-
Forschung
zu Zielen und Wirkungen globaler Umweltpolitik. Hier sollte
ein Schwerpunkt auf den Fragen der Operationalisierung des
Leitbilds der Nachhaltigkeit von ökonomischer Entwicklung liegen.
Dies verlangt vor allem die Bestimmung der essentiellen, d.h. nicht
substituierbaren Elemente des Naturkapitals, die Schätzung
der Kosten unterlassenen Umweltschutzes, die Bewertung der intra-
und intergenerationellen Verteilungsfragen, hier vor allem die wissenschaftliche
Diskussion um eine "richtige" Diskontierung, sowie die
Konkretisierung von Kriterien der Ökonomie- bzw. Sozialverträglichkeit
nachhaltiger Entwicklung.
-
Forschung
zu den Trägern globaler Umweltpolitik. Ein Forschungsschwerpunkt
sollte sich hierbei auf die ökonomische Analyse des
Verhaltens der global relevanten Akteure - politische wie private
(etwa multinationale Konzerne) konzentrieren. Unter anderem geht
es darum, strategische Verhaltensoptionen zu entwickeln, die für
eine überwiegende Mehrheit der Beteiligten vorteilhaft sind.
-
Forschung
zu den Instrumenten globaler Umweltpolitik. Angesichts der Tatsache,
daß auf der globalen Ebene planungs-, ordnungs- und steuerrechtliche
Lösungen nur begrenzt zur Verfügung stehen, erfolgt die
Umsetzung von Umweltbelangen in der Regel über Verträge
bzw. Konventionen und ökonomische Anreize.
Insofern sollte sich die instrumentelle Forschung auf die Weiterentwicklung
der Zertifikatslösung (einschließlich joint implementation),
des Haftungsrechts und auf Fondslösungen konzentrieren. Parallel
dazu interessiert die Frage möglicher Sanktionsmechanismen
im Falle mangelnder Vertragstreue.
Forschung zur gesellschaftlichen Organisation
Die umweltbezogene
politikwissenschaftliche Forschung war bislang hauptsächlich national
orientiert, ihre globale Perspektive muß deutlich verstärkt
werden. Dabei sind die Probleme der Schwellenländer mit ihrer wachsenden
Bedeutung für den Globalen Wandel von besonderem Interesse. Für
global orientierte umweltpolitische Konzepte müssen dabei die soziokulturellen,
ökonomischen und völkerrechtlichen Rahmenbedingungen beachtet
werden.
Der Fokus auf klimarelevante Forschung
in der internationalen umweltpolitischen Forschung muß durch Betrachtung
anderer Problemfelder wie Bodendegradation, Verlust biologischer Vielfalt,
Wasserverknappung und -verschmutzung ergänzt werden. Angesichts
der Diskrepanz zwischen Umweltbewußtsein und tatsächlich
umgesetzter Sachpolitik sollten Fragen der politischen Willensbildung
sowie der Implementierung völkerrechtlicher Übereinkommen
vordringlich untersucht werden. Darüber hinaus muß sich die
politikwissenschaftliche Forschung intensiv mit Fragen der Prävention
ökologischer Konflikte befassen. Besonders folgende Aufgaben sind
zu lösen:
-
Untersuchung
der sozioökonomischen und politischen sowie kulturell bedingten
Handlungsrestriktionen und damit verbundener Implementationsprobleme
bei umweltvölkerrechtlichen Übereinkommen.
-
Entwicklung
von Konzepten, auf deren Basis Lösungsstrategien für
den Umgang mit charakteristischen Erschwernissen globaler Problemlösungsprozesse
(global commons, Frage der compliance etc.) ansetzen
können.
-
Analyse
der Funktionsweise internationaler Verhandlungssysteme, vor
allem unter dem Aspekt der Unsicherheit des Wissens über globale
Umweltveränderungen und, darauf aufbauend, Entwicklung von
Konzepten zum Umgang mit Entscheidungen unter Unsicherheit.
In bezug auf den Globalen Wandel stehen die Rechtswissenschaften
vor der Frage nach den rechtlichen Möglichkeiten, im globalen
Rahmen zur Verabschiedung und Durchsetzung wirksamer Maßnahmen
zu kommen. Es geht dabei z.B. um Probleme der rechtlichen Würdigung
der Einschränkung nationaler Souveränität, des Völkergewohnheitsrechts
und der ökologischen Solidarität. Vor diesem Hintergrund empfiehlt
der Beirat, vor allem folgende Rechtsfragen aufzugreifen:
-
Klärung
des Bestandes an außervertraglichen Normen und des Völkergewohnheitsrechts
im Hinblick auf globale Umweltprobleme mit dem Ziel, auf globale
Umweltprobleme flexibler reagieren zu können.
-
Begründung
einer allgemeinen ökologischen Solidaritätspflicht für
Industriestaaten gegenüber Entwicklungsländern.
-
Klärung
des Status von Nichtregierungsorganisationen im zwischenstaatlichen
Recht.
-
Klärung
der Rechtsfragen bei Schäden aufgrund globaler Umweltveränderungen.
-
Fortentwicklung
von Durchsetzungsmechanismen, Entscheidungsverfahren
und Streitschlichtungsmechanismen bei zwischenstaatlichen
Verträgen.
Forschung zur psychosozialen Sphäre
Von den
für die psychosoziale Sphäre relevanten Wissenschaftsdisziplinen
werden zunehmend Fragestellungen aufgegriffen, die für die Analyse
der Ursachen und Wirkungen des Globalen Wandels sowie für problemorientierte
Interventionsmaßnahmen bedeutsam sind. In Deutschland ist diese
Forschung insgesamt noch wenig entwickelt, und die meisten Projekte
werden einzeldisziplinär und dezentral durchgeführt. Vorzugsweise
im Rahmen von Gemeinschaftsprojekten sollten folgende Themen aufgegriffen
werden:
-
Leitbildforschung
zur nachhaltiger Entwicklung, von den ethischen Grundsätzen
bis hin zu Operationalisierungen und empirischen Analysen.
-
Untersuchungen
zu den Bedingungen GW-relevanter Verhaltensweisen (Wahrnehmung
und Bewertung von GW-Phänomenen, Motivation des Handelns usw.)
und zu Strategien von Verhaltensänderungen.
-
Untersuchung
und Evaluation von Interventionsmaßnahmen (in konkreten
Kontexten mit spezifischen Akteursgruppen) im Hinblick auf die Wechselwirkungen
von technischen, ökonomischen, rechtlichen und psychosozialen
Maßnahmen.
-
Entwicklung,
systematischer Einsatz und Evaluation GW-relevanter Bildungsmaßnahmen
für alle Bildungsebenen.
-
Entwicklung
und Etablierung eines weltweiten, umfassenden Systems für social
monitoring (analog zum environmental monitoring).
Im Rahmen
dieser Aufgaben bedarf es verstärkt kulturspezifischer und kulturvergleichender
Erforschung der gesellschaftlichen Akteure durch umfassende, disziplinübergreifende
Fallstudien sowie der Ausdehnung räumlicher Kontexte und Zeitskalen
der Untersuchungen.
Technologische Forschung
Technologische
Forschung bietet einen Schlüssel zur Bewältigung des Globalen
Wandels. Dies gilt besonders für Arbeiten zur Weiterentwicklung
von Energietechnologien mit dem Ziel einer umwelt-, wirtschaftlich-
und sozialverträglichen Energieinfrastruktur. Der Schwerpunkt sollte
auf Forschung und Entwicklung verschiedener Energieoptionen liegen,
dazu gehören u.a.:
Der Beirat empfiehlt ferner die Förderung von Forschungsprogrammen
zur Klimarelevanz des Flugverkehrs und zu seiner umweltverträglicheren
Weiterentwicklung. Im Schnittstellenbereich von Technik und Ökonomie
schlägt der Beirat für globale Umweltveränderungen u.a.
folgende Forschungsthemen vor:
-
Überprüfung
der Eignung und Wirkung des joint-implementation-Ansatzes
(Kompensationsprinzip) zur Treibhausgasreduktion.
-
Entwicklung
von kosteneffizienten Minderungsstrategien für Treibhausgasemissionen
bei simultaner Berücksichtigung aller klimawirksamen Spurengase.
-
Erforschung
von CO2-Rückhalte- und Speichertechniken unter ökologischen
und ökonomischen Gesichtspunkten.
-
Analyse
und Quantifizierung der Auswirkungen von Treibhausgasminderungsstrategien
auf die Emissionen anderer atmosphärischer Massenschadstoffe
und anderer Umweltproblematiken.
-
Entwicklung
von kosteneffizienten Minderungsstrategien für Ozon
in der Troposphäre.
-
Entwicklung
logistikorientierter Produktionsprozesse (z.B. Reduzierung
der Transportwege im Produktionsprozeß).
-
Identifikation
umweltverträglicher Industrialisierungspfade in Entwicklungs-
und Schwellenländern, unter Beachtung der vor Ort vorhandenen
technischen und personellen Potentiale.
Forschungsorganisation
Erhebliche
Verbesserungen in der Struktur der deutschen Forschung sind erforderlich,
um sie den Bedürfnissen einer modernen GW-Forschung anzupassen.
Dazu gehören einerseits Verbesserungen an den vorhandenen Instituten,
Anreize für neuartige Forschungsvorhaben vor allem an den Hochschulen
und eine Stärkung der Koordination der Forschung und der Forschungsförderung.
Der Forderung nach Stärkung der Forschung steht die Verknappung
der öffentlichen Haushaltsmittel gegenüber. Sie verhindert
weitgehend Zuwächse in den Stellenplänen und Sachhaushalten
und nimmt durch unselektive Stellenkürzungen den Instituten die
Möglichkeit, neue Forschungswege zu beschreiten. Trotzdem werden
die knappen öffentlichen Mittel zu einer restriktiven Rahmenbedingung,
die bei den organisatorischen Empfehlungen berücksichtigt werden
muß. Sie zwingt, über effizienzsteigernde Strukturveränderungen
nachzudenken. Trotz vieler Probleme bietet die gewachsene deutsche Forschungslandschaft
nämlich viele Vorteile.
Die Vorteile der föderalen und pluralistischen
Struktur mit ihrer Vielzahl und Vielfalt unterschiedlich großer
Forschungseinheiten liegen in der Möglichkeit, daß einzelne
Gruppen flexibel neue Fragen aufgreifen und sich Partner wählen
können, besonders, wenn dazu wissenschaftliche Anstöße
gegeben werden und finanzielle Anreize kommen. Andererseits behindert
diese feingliedrige Struktur den Einsatz starker Kräfte unter einem
Leitthema und die Durchführung langfristiger Projekte internationaler
Programme.
Für die nationale Umweltforschung
hat der Wissenschaftsrat (1994) auf diese Schwierigkeiten hingewiesen
und besondere Empfehlungen hinsichtlich der fächerübergreifenden
Behandlung von Umweltthemen an den deutschen Hochschulen und außeruniversitären
Forschungseinrichtungen erarbeitet. Für die Forschung zum Globalen
Wandel mit ihren starken internationalen Bezügen und der Notwendigkeit,
Untersuchungen auch außerhalb Deutschlands und gemeinsam mit ausländischen
Partnern durchzuführen, sind die Hindernisse vergleichsweise noch
größer. Daraus erklärt sich auch, daß in verschiedenen
Zweigen GW-relevanter Forschung die deutsche Beteiligung an internationalen
Programmen und an der Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern relativ
beschränkt ist.
Vor diesem Hintergrund gibt der Beirat
eine Reihe übergreifender organisatorischer Empfehlungen, die zu
drei Themen zusammengefaßt sind:
-
Stärkung
vorhandener Einrichtungen und Nutzung bewährter Instrumente.
-
Schaffung
neuer Einrichtungen.
-
Koordination
der Forschungsförderung.
Vorhandene Einrichtungen stärken und
bewährte Instrumente nutzen
In erster
Linie sind vorhandene Forschungseinrichtungen in die Lage zu versetzen,
laufende Projekte der GW-Forschung fortzusetzen bzw. auf globale Probleme
auszurichten und neue Projekte in nationaler und internationaler Zusammenarbeit
aufzugreifen. Diese Empfehlung richtet sich an die Hochschulen und an
die außeruniversitären Forschungseinrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft,
Helmholtz-Gemeinschaft, Wissenschaftsgemeinschaft Blaue Liste und Fraunhofer-Gesellschaft
sowie den nachgeordneten Forschungsanstalten verschiedener Bundesressorts.
Zu einem wesentlichen Teil müssen die Anstöße dazu aus
den Einrichtungen selbst bzw. aus deren Trägergesellschaften kommen,
d.h. durch Neudefinition der Prioritäten und Inhalte der Forschung
sowie durch organisatorische Eingriffe und Neugruppierungen.
Unerläßlich ist aber auch der
Einsatz bereits bewährter Förderinstrumente seitens
des BMBF (Verbundprojekte, Forschungsverbünde) und der DFG (Schwerpunktprogramme,
Sonderforschungsbereiche). Auch Forschergruppen und Graduiertenkollegs
sind geeignete Instrumente, wobei das geltende restriktive Ortsprinzip
angesichts der technischen Möglichkeiten moderner Kommunikation
gelockert werden sollte.
Alle diese integrierenden Maßnahmen
sollten auch für die Ausbildung in- und ausländischer
Studierender und Nachwuchswissenschaftler genutzt werden. Dabei sollen
die Aspekte des Globalen Wandels bereits im Grundstudium angesprochen
und im Rahmen von Aufbau- und Ergänzungsstudien vertieft werden.
Für viele Bereiche der GW-Forschung
sind große Forschungsgeräte unabdingbar. Hierzu gehören
Einrichtungen der Fernerkundung und der Klimaforschung mit Großrechnern,
Schiffe, Satelliten und Beobachtungsstationen. GW-Forschung braucht
darüber hinaus aber auch umfangreiche flächendeckende und
langfristige ökologische, ökonomische und soziokulturelle
Beobachtungsreihen, sie ist auf Kultur- und Ökosystemvergleiche
angewiesen und muß auf detaillierte und breit angelegte Fallstudien
und komplexe Modelle aufbauen. Der Beirat mißt der Sicherstellung
einer kontinuierlichen Förderung dieser Grundvoraussetzungen große
Bedeutung bei.
Die deutsche Beteiligung an internationalen
Programmen ist unterschiedlich gut entwickelt und in wichtigen Bereichen
ausbaubedürftig. Darüber hinaus wird die Fortsetzung der inhaltlichen,
personellen und finanziellen Beteiligung an internationalen Instituten
und Sekretariaten empfohlen, wobei eine stärkere Einbeziehung deutscher
Forscher durch solche Institutionen wünschenswert wäre.
Neue Einrichtungen schaffen
Zur Stärkung
der Problemlösungskompetenz im Hinblick auf die Probleme des Globalen
Wandels und zur Stärkung der interdisziplinären Zusammenarbeit
empfiehlt der Beirat die Einrichtung eines Strategie-Zentrums zum
Globalen Wandel, das unter Hinzuziehung auswärtiger Expertise
komplexe Problemanalysen betreibt und politische Entscheidungsprozesse
wissenschaftlich vorbereitet und begleitet. Das Zentrum sollte einerseits
Anregungen von Wissensnachfragern aus Politik und Öffentlichkeit
aufnehmen und in Forschungsfragen übersetzen und andererseits vorhandenes
Wissen für Entscheidungsprozesse in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft
aufbereiten.
Weiterhin sollten nach Auffassung des
Beirats einzelne kleine Forschungszentren auf Zeit im Umfeld
der Universitäten eingerichtet werden, die im Verlauf von etwa
10 Jahren akute Probleme der GW-Forschung bearbeiten und die deutsche
Beteiligung an internationalen Programmen sicherstellen.
Ferner empfiehlt der Beirat die Schaffung
von Forschungsnetzwerken als längerfristige "Zweckbündnisse"
zwischen unabhängigen wissenschaftlichen Einrichtungen zur gemeinsamen
Bearbeitung komplexer Fragestellungen, etwa eines Syndroms, und zur
Weiterentwicklung methodischer Grundlagen. Hierzu gehört die Nutzung
moderner Technologien für Datengewinnung, -speicherung und -übertragung
im nationalen und internationalen Rahmen. Die Trägergesellschaften
(MPG, HGF, WBL, FhG) sowie DFG und BMBF unter Beteiligung von Ressortforschungseinrichtungen
und Hochschulen sollten gemeinsam solche problembezogene flexible Einrichtungen
schaffen (inter-institutionelle Forschung).
Die Wirtschaft, insbesondere die multinationalen
Konzerne sollten nach Auffassung des Beirats im Rahmen einer umweltpolitischen
Selbstverpflichtung angeregt werden, eine Stiftung "Globaler
Wandel" ins Leben zu rufen. Dies böte die Möglichkeit,
die oben angesprochenen finanziellen Restriktionen zu mildern. Diese
Stiftung sollte sich u.a. um den Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaftspolitik
und Medien zu Fragen des Globalen Wandels bemühen. Sie könnte
auch eine entsprechende Präsentation auf der EXPO 2000 vorbereiten.
Forschungsförderung koordinieren
Die beiden
wichtigsten Förderinstitutionen der GW-Forschung in Deutschland
sind BMBF und DFG. Im BMBF sind mehrere Referate und verschiedene Projektträger
für einzelne Bereiche GW-relevanter Forschung zuständig. Ähnliches
gilt für die disziplinär gegliederte DFG. In beiden Institutionen
müssen die Bemühungen um fächerübergreifende
Planung und Begutachtung gestärkt werden. Auch bedarf es einer
engeren Abstimmung zwischen DFG und BMBF beim Einsatz ihrer Förderinstrumente
der GW-Forschung.
Innerhalb der Bundesregierung ist die
Fachaufsicht über die GW-relevante Ressortforschung nicht
auf den BMBF beschränkt. Der BMU betreibt zwar keine eigenen Forschungseinrichtungen,
fördert aber über das UBA eine Reihe von relevanten Projekten
der GW-Forschung. Einschlägige Forschungseinrichtungen und -projekte
werden darüber hinaus vom BMV, BMWi, BML, BMZ und BMI unterhalten.
Der Beirat sieht hier Koordinationsbedarf, der über die
Arbeit der Interministeriellen Arbeitsgruppe (IMA) "Globale Umweltveränderungen"
hinausgeht.
Der Beirat verfolgt mit Interesse die
Bemühungen der DFG um die Einrichtung eines deutschen Nationalkomitees
zum Globalen Wandel, das unter Einbeziehung von Funktionen des Senatsausschusses
für Umweltforschung (SAUF) und des deutschen IGBP-Komitees die
wissenschaftliche Vertretung in den internationalen Programmen zum Globalen
Wandel planen und begleiten soll. Dieses Nationalkomitee könnte
auch zur Koordination der unterschiedlichen deutschen GW-Forschungsaktivitäten
beitragen.
Der Beirat schlägt ferner vor, daß
das Bundeskanzleramt federführend jeweils in der Mitte jeder Legislaturperiode
einen integrierten "Global-Bericht" erstellt. Dieser
Bericht sollte - vor dem Hintergrund der durch die UNCED-Konferenz in
Rio de Janeiro angestoßenen Entwicklungen - über die Aktivitäten
der Bundesregierung zu Fragen des Globalen Wandels und der nachhaltigen
Entwicklung informieren. Die deutsche Politik und Forschung sollten
dabei unter Einbeziehung ökologischer, ökonomischer und soziokultureller
Aspekte im Sinne des globalen Beziehungsgeflechtes beleuchtet werden.
Der Beirat verspricht sich von diesem Bericht wichtige Informationen
für die deutsche Öffentlichkeit und für ausländische
Institutionen und darüber hinaus auch einen konsolidierenden und
integrierenden Einfluß auf die GW-Aktivitäten in den verschiedenen
Bundesministerien.
Die Arbeit von Enquete-Kommissionen
des Deutschen Bundestages hat bisher integrierend auf die deutsche
Forschung und ihre staatliche Förderung durch verschiedene Bundesressorts
gewirkt. Zu gegebener Zeit könnte eine Enquete-Kommission "Globaler
Wandel" die Arbeiten der derzeitigen Enquete-Kommission "Schutz
der Erdatmosphäre" fortsetzen, wobei Schwerpunkte auf der
Umsetzung wissenschaftlicher Empfehlungen u.a. auch des WBGU liegen
könnte.
Seit geraumer Zeit wird die Gründung
einer Deutschen Akademie der Wissenschaften diskutiert, die analog
zu Einrichtungen in anderen Ländern mit einem hohen Maß an
Unabhängigkeit und Autorität zu Fragen von nationaler Bedeutung
Stellung nehmen könnte; falls eine solche Akademie geschaffen wird,
wäre der Problemkreis des Globalen Wandels zweifellos ein wichtiges
Thema für sie.
Ausblick
Deutschland
trägt, bezogen auf seine Einwohnerzahl, überproportional zur
Verursachung des Globalen Wandels bei. Sein Beitrag zu dessen Erforschung
ist ebenfalls beträchtlich, er muß aber noch erheblich gesteigert
werden. Dabei bedarf es nicht primär einer starken Erhöhung
des Forschungsetats oder der Gründung großer neuer Forschungseinrichtungen,
sondern vor allem einer effektiven Nutzung vorhandener Daten und Kenntnisse
sowie deren zielgerichteten Synthese für die Lösung komplexer
Probleme - nach Auffassung des Beirats z.B. im Sinne der Syndromforschung.
Ferner geht es um organisatorische Maßnahmen, durch die das vorhandene
wissenschaftliche Potential wirkungsvoller für die GW-Forschung
eingesetzt und mit (bescheidenen) zusätzlichen Mitteln Lücken
in den Forschungsbereichen geschlossen werden können.
Für die deutsche GW-Forschung kommt
der transnationalen Vernetzung und der Einbindung in internationale
Programme auf europäischer und globaler Ebene eine besondere Bedeutung
zu. Der Rolle Deutschlands innerhalb der Weltwirtschaft entsprechend
sollte die deutsche Forschung zudem einen hohen Rang beim notwendigen
Auf- und Ausbau der Forschungskapazitäten in den Entwicklungsländern
einnehmen.
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IMPRESSUM
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Wissenschaftlicher
Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen
Geschäftsstelle
Reichpietschufer 60-62
10785 Berlin
Tel.: 030 263948 0
Fax: 030 263948 50
Email: wbgu@wbgu.de
Website: http://www.wbgu.de
Diese Zusammenfassung ist im Internet in deutscher und
englischer Sprache abrufbar unter http://www.wbgu.de/wbgu_jg1997.html.
© 1996, WBGU
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