Szenario zur Ableitung globaler CO2-Reduktionsziele und Umsetzungsstrategien


Stellungnahme zur ersten Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention in Berlin 1995

 

Sondergutachten 1995

WBGU, Bremerhaven, © 1995
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Aus Anlaß der ersten Vertragsstaatenkonferenz zum Rahmenübereinkommen über Klimaänderungen gibt der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen die folgende Stellungnahme zur Ableitung globaler CO2-Reduktionsziele und Umsetzungsstrategien ab.
     Der Beirat leitet ein globales CO2-Reduktionsziel ab, das in einem "Invers-Szenario" auf der Grundlage mathematisch-physikalischer Modelle berechnet wurde. Aus der Analyse der ökologisch und ökonomisch vermutlich noch tragbaren Belastungen durch Klimaänderungen wird zunächst ein "Toleranzfenster" für die zulässigen Klimaentwicklungen festgelegt. Ökologische Grenzen ergeben sich dabei aus der Maximaltemperatur und den Temperaturgradienten, an die sich die Biosphäre noch anpassen kann. Ökonomische Grenzen sind durch die für die Weltwirtschaft gerade noch zumutbaren Klimafolgekosten bestimmt. Die Ergebnisse des Szenarios sind:

Die anthropogenen Emissionen müssen sehr langfristig, d.h. in mehreren Jahrhunderten, auf Null heruntergefahren werden. Dabei läßt das Klimasystem allerdings beträchtliche Freiheiten zu, was die Gestaltung des Emissionsprofils anbetrifft.
Die Fortsetzung der gegenwärtigen Emissionspraxis (Business as Usual) würde uns zwar noch ca. 25 Jahre Zeit geben, dann aber innerhalb weniger Jahre einen solch drastischen Minderungszwang erfordern, daß kaum Strukturen und Technologien vorstellbar sind, die diese Minderung erbringen könnten.
Deshalb erscheint dem Beirat ein Emissionsprofil umsetzbar und sinnvoll, bei dem die globalen CO2-Emissionen nach einer Übergangszeit von etwa 5 Jahren über mehr als 150 Jahre um jährlich knapp 1% reduziert werden.
Dadurch kommen vor allem auf die Industrieländer mittelfristig große Reduktionsanstrengungen zu. Der Beirat regt an, die aus der Selbstverpflichtung Deutschlands zur Minderung der CO2-Emissionen entstehenden Maßnahmen konsequent zu verwirklichen.

Es ist zu vermuten, daß die aus dieser Vorgabe resultierenden Reduktionspflichten auf die Annex-I-Länder (Industrieländer) beschränkt sein werden. Zur Flexibilisierung der zu erwartenden starren Länderquoten empfiehlt der Beirat das Instrument der Joint Implementation ("Gemeinsame Umsetzung") mit der möglichen Erweiterung hin zu einem zwischenstaatlichen Zertifikatesystem. Durch diese Instrumente könnten die erforderlichen Emissionsreduktionen kostengünstig gestaltet und gleichzeitig den Entwicklungsländern ein rascher Zugang zu energieeffizienten Technologien ermöglicht werden.
     Neben den laufenden Verbesserungen der Energieeffizienz empfiehlt der Beirat, zum Erreichen des anspruchsvollen Reduktionsziels verstärkt Umweltbildungsmaßnahmen einzuleiten, da sie Voraussetzung einer Suffizienzrevolution sind.
Wie aus der bisherigen Arbeit des Beirats deutlich wird, dürfen globale Umweltprobleme nicht isoliert betrachtet werden, sondern es müssen die Verknüpfungen mit anderen Trends des Globalen Wandels verstärkt in Analyse und Umsetzungsstrategien einbezogen werden. Dies gilt auch für das Thema Klimawandel, dessen Bewältigung nur innerhalb des Leitbildes der nachhaltigen Entwicklung (Sustainable Development) erfolgen kann.

 

 

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