World Ocean Conference in Indonesien

Klimawandel, Umweltverschmutzung, Raubbau - die Zukunft der Ozeane steht auf dem Spiel

Berlin, 11. Mai 2009. Anlässlich der heute in Indonesien beginnenden World Ocean Conference weist der WBGU darauf hin, dass der zunehmende Ausstoß von CO2 und anderen Treibhausgasen zu einer gefährlichen Erwärmung und Versauerung der Weltmeere führt. Meeresökosysteme und Fischbestände werden bedroht. Die Erwärmung der tropischen Ozeane steigert zudem die Zerstörungskraft der Wirbelstürme. Der Meeresspiegelanstieg beschleunigt sich, nicht zuletzt aufgrund des zunehmenden Abschmelzens von Kontinentaleis.

Der Vorsitzende des WBGU, Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber, beschreibt die Situation als besorgniserregend: „Noch immer steigt der globale CO2-Ausstoß von Jahr zu Jahr an. Wenn die Staatengemeinschaft international nicht unverzüglich Maßnahmen ergreift, so dass wir diesen Trend spätestens in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren stoppen und wirklich zu sinkenden Emissionen kommen, können massive Schädigungen der Ozeane und der Küstenregionen in den kommenden Jahrzehnten kaum mehr verhindert werden.“

Die weltweite Versauerung der Ozeane, die durch den CO2-Eintrag in das Meerwasser ausgelöst wird, ist bereits deutlich messbar. Folgen sind erschwerte Wachstumsbedingungen für kalkbildende Organismen, wie z.B. Korallen. Die verminderte Kalkbildung kann indirekt dazu führen, sich auch die Lebensbedingungen anderer Meeresorganismen verschlechtern. So könnten sich z.B. sauerstoffarme Zonen in tieferen Wasserschichten ausbreiten.

Darüber hinaus leiden die Ozeane unter Überfischung, Verschmutzung, Überdüngung, Verbreitung nicht nachhaltiger Aquakulturen und der Ausbeutung mariner Bodenschätze.

Ursachen dafür sind:

1. Es fehlt der politische Wille zur raschen und wirksamen Bekämpfung von Erwärmung und Versauerung der Meere.

2. Es fehlt an einem umfassenden internationalen Konzept zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Meere.

3. Die bestehenden völkerrechtlichen Regelungen, insbesondere das UN-Seerechtsübereinkommen, sind nicht ausreichend. Kompetenzüberschneidungen der Institutionen, die für den Schutz der Ozeane zuständig sind, führen zu Ineffizienz.

Vor diesem Hintergrund erneuert und bestärkt der WBGU seine dringende Empfehlung, dem Klimaschutz höchste Priorität einzuräumen. Die schnelle und drastische Minderung der Treibhausgasemissionen ist eine unabdingbare Voraussetzung für den Schutz und die künftige nachhaltige Nutzung der Meere. Dies unterstreicht die zentrale Bedeutung der im Dezember stattfindenden Verhandlungen zum Klimaschutz in Kopenhagen.

Weiterhin weist der WBGU darauf hin, dass Meeresressourcen dringend besser geschützt und nachhaltig bewirtschaftet werden müssen, um die Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen gegenüber höheren Meerestemperaturen und Versauerung zu stärken. Dazu gehört auch die Einrichtung eines Netzwerks aus Meeresschutzgebieten, das 20–30% der Ozeanfläche einnehmen sollte. Die Bundesregierung sollte sich verstärkt dafür in der Europäischen Union und international einsetzen.

Jeder fünfte Mensch lebt weniger als 30 Kilometer vom Meer entfernt und ist unmittelbar durch Meeresspiegelanstieg und Sturmfluten bedroht. Daher müssen nationale und internationale Strategien für Schutz und Anpassung weiterentwickelt werden. Dies schließt auch Pläne für einen Rückzug aus gefährdeten Gebieten ein.

Darüber hinaus muss es auch darum gehen, Meeresflüchtlingen Rechtssicherheit zu geben. Im Völkerrecht gibt es derzeit weder eine Verpflichtung zur Aufnahme von Menschen, die aufgrund des Klimawandels Küstengebiete oder Inseln verlassen müssen, noch ist die Kostenfrage geregelt. Langfristig wäre daher eine Quotierung vorstellbar, bei der Staaten differenziert Verantwortung für die Flüchtlinge übernehmen müssten.

Schließlich hält der WBGU eine Anpassung der völkerrechtlichen Vereinbarungen (insbesondere des UN-Seerechtsübereinkommens) an die aktuellen Herausforderungen für dringend erforderlich.

Das Gutachten: WBGU (2006): Die Zukunft der Meere – zu warm, zu hoch, zu sauer. Sondergutachten, Berlin. Das Gutachten ist als Volltext im Internet verfügbar unter:

 

http://www.wbgu.de/wbgu_sn2006.pdf

 

Presseerklärung (pdf) (488 KB, 2 S.)

Rückfragen bitte an die Geschäftsstelle des WBGU, Tel. 030 263948 12 oder wbgu@wbgu.de